Auf Mexico City freuen wir uns ganz besonders. Nicht nur der Stadt wegen, sondern weil wir hier unsere lieben Freunde Gina und Matthias besuchen wollen.
Jeder Reiseführer warnt davor, mit dem eigenen Auto in die größte Stadt der Welt zu fahren, aber da Gina und Matthias im Südwesten wohnen, und wir von Teotihuacán im Nordosten kommen, heißt es Augen zu und durch. Zum Glück ist es Samstag Vormittag, aber das Chaos und das Straßengewirr sind schon sehr gewöhnungsbedürftig:
Aber der erste Eindruck ist gut. Es gibt sogar Viertel, wie hier die Prachtstraße “Paseo de la Reforma”, die uns an Berlin erinnern, nicht nur des Friedensengels wegen. Dass man sich hier auf 2.250 m befindet, kann man sich gar nicht vorstellen!
Als wir uns ohne Probleme bei unseren Freunden einfinden, ist die Wiedersehensfreude sehr groß. Wir kennen die beiden aus Kairo, wo wir zur selben Zeit vier Jahre verbracht haben.
Seit vier Jahren arbeitet Matthias nun an der deutschen Botschaft in Mexico City, und zusammen mit Gina, Mexikanerin aus Mexico City, kennen die beiden natürlich jeden Winkel dieser großen Stadt. Nachdem wir das Wiedersehen mit einer Flasche Sekt gefeiert haben, werden wir gleich in die Innenstadt entführt, wo am Samstag Abend die Hölle los ist. Man drängt sich durch die Menschenmenge wie am Münchner Oktoberfest:
Es ist gar nicht einfach, einen Platz in einem Restaurant zu finden, aber im legendären “La Opera” klappt es schließlich, und wir genießen ein herrliches mexikanisches Essen, bevor wir noch einen nächtlichen Rundgang durch die Innenstadt und über den Zócalo, den zentralen Hauptplatz, machen. Vom Hotel Majestic aus haben wir einen sehr beeindruckenden Blick über den Zócalo und die große Kathedrale:
Für Sonntag Nachmittag hat Matthias zum Grillen eingeladen. Freunde aus der Botschaft, die alle mehrere Jahre in Mittel- und Südamerika gelebt haben. Und so wird dieser Nachmittag nicht nur eine kulinarische Feierstunde, sondern wir bekommen viele gute Tipps für unsere Reise – alles aus erster Hand.
Am nächsten Tag beginnt für Gina und Matthias wieder der Ernst des Lebens, und wir machen uns alleine auf, die Stadt zu erkunden. Noch einmal genießen wir den Blick auf den Zócalo…
… und bummeln dann gemütlich durch die Innenstadt mit ihren wunderschönen Gebäuden wie dem Palast der schönen Künste…
… oder dem Postamt, das nicht nur von außen ein Augenschmaus ist:
Innen erstrahlt alles in Goldfarbe, man kann sich gar nicht vorstellen, dass dieses wunderschöne Gebäude kein Museum ist, sondern tatsächlich als Postamt dient:
Es gibt so viele schöne Kirchen, Gebäude und Hotels in Mexiko City aus alter Zeit, aber auch sehr moderne Architektur.
Auf Grund des sumpfigen Bodens stehen einige Gebäude, vor allem ältere Kirchen, so schief, dass man das Gefühl hat, man befindet sich in Pisa. In einer besonders schräg stehenden Kirche fällt uns auf, dass man an der Sitzfläche der Kirchenbänke eine extra Leiste angebracht hat, damit man nicht von der Bank abrutscht.
Es gibt Luxus- und Prachtstraßen, jede Nobelmarke ist hier zu finden, wie hier zum Beispiel Cartier, das mit einem ganzen eigenen Gebäude vertreten ist:
Obwohl man in letzter Zeit immer wieder von Unruhen, Kriminalität und Demonstrationen in Mexico City hört, fühlen wir uns zu keinem Zeitpunkt in Gefahr oder unwohl. Von Demos ist nichts zu sehen, außer…
Moment mal, was ist das denn? Zuerst denken wir, die Chippendales sind hier auf Tournee, aber bei genauerem Hinschauen ist es (leider nur) eine Demo. Aber was für eine!!
Hunderte von Bauern, nur in Unterhosen bekleidet, tanzen zu rhythmischer Musik, um gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Obwohl der Anlass ja kein schöner ist, gefällt uns die Idee, und nur mit Mühe bekommt mich Thomas von diesem Spektakel weg. Gegen solche Demos haben wir ja überhaupt nichts!
Am nächsten Tag nehmen wir uns das Anthropologische Museum – gelegen im schönen Chapultepec-Park - vor.
Zu Recht eines der besten und schönsten Museen der Welt, ist es einfach ein “Muss”, dorthin zu gehen. Mehrere Hallen widmen sich Mexiko’s frühen Kulturen, und es gibt jedes nur erdenkliche Ausstellungsstück. Das berühmteste ist wohl der 24 Tonnen schwere Sonnenstein in der Azteken-Halle:
Aber auch viele andere Steinfiguren sind wunderschön anzusehen:
Im ersten Stock des Museums liegt der Schwerpunkt auf Mexiko’s Indianerkulturen, traditionellen Musikinstrumenten, und lebensgroßen Puppen in traditioneller Kleidung:
Im Außenbereich sind zum Teil ganze Tempelanlagen nachgebaut:
Das Museum ist wirklich wunderschön, und als wir es nach drei Stunden verlassen, haben wir nur einen kleinen Teil gesehen.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen. Von Mexico City, und von unseren lieben Freunden. Nur mit Mühe verdrücke ich mir ein paar Tränchen, denn es war wunderschön bei euch, Gina und Matthias. Vielen Dank für alles, vor allem für eure Gastfreundschaft. Wer weiß, in welchem Teil der Erde wir uns zum nächsten Mal sehen!
Wir machen uns auf den Weg nach Puebla, einer Stadt südöstlich von Mexico City. Die Fahrt durch Mexico City wird nochmal ein richtiges Abenteuer. Die Autobahnzufahrt, auf die uns das Navi schickt, ist gesperrt und plötzlich befinden wir uns mitten im Zentrum. Irgendwann versagt das Navi dann komplett und wir verlassen uns nur noch auf unsere eigenen Spürnasen. Nach einer längeren Irrfahrt sind wir endlich auf dem Weg nach Puebla. Puebla liegt wunderschön eingerahmt von Bergen, deren bekannteste die vier Vulkane Popocatépetl, Iztaccíhuatl, La Malinche und Pico de Orizaba, der mit 5.636 m höchste Berg Mexiko’s, sind.
Unser Campingplatz liegt in Cholula, einem Vorort von Puebla. Von hier aus fahren wir in einer abenteuerlichen Fahrt in einem völlig überfüllten Minibus nach Puebla und landen mitten im Zentrum, am Zócalo.
Puebla ist bekannt durch seine koloniale Innenstadt und seine zahlreichen deutschen Einwanderer, was nicht nur am größten VW-Werk außerhalb Europas liegt.
Hier gibt es wieder herrliche Kirchen und Gebäude in allen Farben.
Aber die schönen Gebäude sind heute für uns nur Nebensache. Wir klappern sämtliche Elektroläden ab, da unser Trafo leider das Zeitliche gesegnet hat. Und die Vorstellung “kein Strom, kein Licht, keine Heizung, kein Kühlschrank” ist so schrecklich, dass wir gerne stundenlang durch sämtliche Elektroläden Puebla’s rennen, bis wir endlich fündig werden. Das war eine schwere Geburt, aber wir sind glücklich, jetzt wieder einen funktionierenden Trafo zu haben!
Schon länger liebäugeln wir mit dem Gedanken, das VW-Werk in Puebla zu besichtigen. Leider ist dies nur mit persönlicher Einladung möglich und wir haben uns eigentlich schon damit abgefunden, dass es mit einer Besichtigung nicht klappt. Trotzdem unternehmen wir am nächsten Tag einen Versuch und fahren einfach mal dorthin. Einfach ist gut gesagt – man schickt uns von Pforte zu Pforte, erklärt uns, wir sollen mit der Presseabteilung Kontakt aufnehmen, wobei es wohl tatsächlich sehr schwierig sei. Schließlich landen wir an der Hauptpforte.
Als wir zum x-ten Mal unsere Geschichte und unser Anliegen erklären, schickt man uns zu einer Gruppe, die gerade auf ihre Führung wartet. Und – es ist wie ein Sechser im Lotto: es sind grade noch zwei Plätze frei (die Führungen sind übrigens bis Juni ausgebucht). Wir können unser Glück gar nicht fassen und genießen die 1,5 Stunden super interessante Führung durch das gesamte Werk. Die Führung ist auf Spanisch, was aber kein Problem darstellt. Man interessiert sich sehr für unsere Geschichte, unsere Reise und vor allem unser Auto, und mit ein bisschen Glück kommen wir sogar in die Mitarbeiterzeitung!
Eigentlich hatten wir geplant, den 4.461 m hohen Vulkan La Malinche zu besteigen, aber leider hat mich eine starke Erkältung erwischt, und wir begnügen uns mit der Erkundung von Cholula, wo wir ja während der drei Tage übernachten. Cholula ist bekannt für seine Kirchen, man spricht von 365 Kirchen in diesem kleinen Ort! Die bekannteste ist auf einer großen Pyramide erbaut, der zweitgrößten der Welt.
Von der Pyramide ist leider nur noch der unterste Teil zu sehen:
Auf dem Weg hinauf zur Kirche gibt es eine Unmenge von Souvenirläden und kleinen Imbissständen, die vor allem eine Spezialität verkaufen: gebratene Heuschrecken:
Trotz aller Überredungskünste der Verkäufer kann ich mich nicht überwinden, eine zu probieren. Beim besten Willen nicht! Thomas ist da um einiges mutiger und knabbert an einer Heuschrecke, ohne das Gesicht zu verziehen. Igittigitt…
Gegen Abend lockern endlich die Wolken auf und man hat einen relativ freien Blick auf den rauchenden Popocatépetl und den rechts davon liegenden Iztaccíhuatl:
Unser nächstes Ziel ist Oaxaca, und da uns die 5-stündige Fahrt dorthin zu weit ist, machen wir einen Zwischenstopp in der Nähe von Teohuacan, im Jardín Botanico Helia Bravo Hollis. Hier, ca. 120 Kilometer südlich von Puebla, befinden wir uns plötzlich wieder in einer Wüstengegend. Die Straße führt mitten durch endlos weite Kakteenwälder:
Und wir finden mal wieder einen herrlich schönen Platz zum Übernachten – mitten in den Saguara-Kakteen:
Wir sind die einzigen Gäste in diesem großen Kakteenwald. Keine Menschenseele weit und breit. Dann – es ist bereits dunkel – hören wir plötzlich ein wildes Hämmern direkt neben unserem Auto. Wir steigen aus und sehen, dass ein riesiges Partyzelt aufgestellt wird! Man erklärt uns, dass morgen früh um 10.00 h der japanische Botschafter mit seiner Entourage hierherkommt und es ihm zu Ehren ein großes Fest mit über 100 Personen gibt! Wie verrückt ist das denn! Der japanische Botschafter mitten in der Wüste!?!?! Wir stehen auf alle Fälle früh auf, damit wir dem Botschafter nicht im Schlafanzug gegenüber stehen. Und er kommt tatsächlich, zwar nicht um 10.00 h, sondern mit einer leichten Verspätung von 5 Stunden, um 15.00 h.
Es wird gefeiert, gekocht, eine Blaskapelle spielt auf. Zum Glück haben wir keine Schuhe an, denn die hätte es uns bei so vielen schrägen Tönen ausgezogen. Aber lustig war’s. Um 18.00 h ist alles vorbei und wir sind wieder mutterseelenallein.
Bei unserer Weiterfahrt am nächsten Tag blinkt plötzlich eine Lampe auf. “Reifendruck überprüfen”. Mit einmal nachpumpen kommen wir drei Stunden später in Oaxaca an unserem Campingplatz an. Thomas montiert gleich das Rad ab und findet einen 5 cm langen Nagel. Unser erster Platten seit Beginn der Reise! Zum Glück gibt es nicht weit entfernt einen Reifenladen, und Thomas rollt den Reifen über einen Kilometer bis zu der Werkstatt.
Schnell, unkompliziert, fachmännisch und für nicht mal zwei Euro wird der Reifen geflickt und der Bulli ist wieder startklar!
Noch kurz eine Anmerkung zu unserem Blog: vielen Dank für die vielen netten Kommentare. Immer wieder mal werden wir per Kommentar um spezielle Infos zur Reisevorbereitung und zu technischen Themen bezüglich Auto gefragt. Da wir im Kommentarfeld nicht sehen können, wohin wir antworten sollen, wäre es gut, wenn ihr uns einfach eure E-Mail-Adresse dazu schreibt. Dann können wir gerne antworten – vielen Dank schon mal im Voraus!
Unsere Strecke von Teotihuacán nach Oaxaca (607 km) – Gesamtkilometer bis jetzt: 57.627km.
Blog erstellt am 28.01.2015 in Oaxaca in Mexiko.
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