Sonntag, 17. August 2014

30. Etappe: Jasper-/Banff National Parks nach Calgary (Alberta) (04.–15.08.2014)


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Am Sonntag, dem 3. August, erreichen wir Alberta, den nächsten kanadischen Bundesstaat. Wir freuen uns sehr auf die Rocky Mountains mit den beiden bekannten Nationalparks Jasper und Banff, die durch den Icefields Parkway mit seinen zahlreichen Gletschern miteinander verbunden sind.

 

An der Grenze zu Alberta und damit am Parkeingang zum Jasper Nationalpark werden wir erst mal abgezockt. Hier ist Schluss mit billig und “wild campen”. Pro Tag muss jeder Besucher 9,90 CAD bezahlen. Da wir aber länger bleiben wollen, entscheiden wir uns gleich für einen Jahrespass für 136 CAD. Und wild campen geht in den Nationalparks schon gar nicht. Wir müssen ab jetzt ganz brav auf offizielle Campgrounds.

Hinter der Grenze dann gleich der nächste Schock: da am Montag, dem 4. August, kanadischer Feiertag ist, und somit langes Wochenende, sind alle Campgrounds hoffnungslos ausgebucht (und für Thomas noch einer drauf: hier in Alberta gilt wieder: “on parle francais”)!

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Man schickt uns auf einen Overflow Platz – eine riesengroße Fläche, wo man kreuz und quer parken kann. Ein heilloses Durcheinander. Wir kommen uns vor wie in Wacken. Aber wir finden dann doch ein Plätzchen direkt am Eingang, von wo aus wir beobachten können, dass bis 23:00 h eine nicht abreißen wollende Schlange von weiteren Autos eintrifft.
Trotzdem verläuft die Nacht recht ruhig und wir sind am nächsten Morgen ausgeruht und fit für unsere erste Bergtour, die Sulphure Skyline:

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Oben am Gipfel werden wir schon von einem “Empfangskommitee” erwartet: eine Bataillon von hungrigen und neugierigen Chipmonks kann es gar nicht erwarten, bis wir unseren Rucksack aufmachen. Sie machen es sich auf Thomas’ Wanderschuhen bequem, und er setzt sich über alle Fütterverbote hinweg – sie sind einfach zu goldig!

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Gleich am nächsten Tag (bereits am frühen Vormittag haben wir einen richtigen, offiziellen Campground ergattert), machen wir uns auf zur nächsten Wanderung, den Bald Hills über dem Maligne Lake. Auch heute ist es wieder sehr heiß und bei fast unerträglichen 33 Grad quälen wir uns den Berg hinauf. Aber es lockt eine herrliche Abfrischung im kühlen klaren Maligne Lake, einem der zahlreichen wunderschönen Bergseen in dieser Gegend.

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Am nächsten Tag dann erst mal ein kleiner Ruhetag am Lake Edith – wobei das Wort “Ruhetag” für Thomas ein absolutes Fremdwort ist und er sich auf’s Fahrrad schwingt, um die Gegend zu erkunden.

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Wir freuen uns sehr, dass es der Wettergott so gut mit uns meint. Bei unserer Reise vor 17 Jahren hat es nur geregnet, und wir konnten damals kaum etwas unternehmen. Diesmal können wir nach Herzenslust wandern und sämtliche Berge erkunden, wie hier den Mount Edith Cavell. Immer mit Blick auf den beeindruckenden Gletscher geht’s über herrliche Blumenwiesen hinauf auf den Gipfel.

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Es ist unglaublich, welche Blumenpracht es hier in dieser kargen und eher unwirtlichen Gegend zu bestaunen gibt:

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Wir genießen den Blick auf den Gletschersee, in den immer wieder kleinere und größere Eisbrocken des Gletschers hineinfallen:

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Man könnte noch ewig in der Gegend von Jasper bleiben, aber nach 5 Tagen haben wir die schönsten Trails abgegrast und machen uns auf den Weg nach Süden – auf dem Icefields Parkway.

Der Icefields Parkway erstreckt sich über 230 Kilometer von Jasper nach Lake Louise. Während der Fahrt kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Hinter jeder Kurve eröffnet sich einem ein neuer atemberaubender Blick, herrliche Berge und weiß glänzende Gletscher, soweit das Auge reicht.

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Die Schönheit der Natur hat sich natürlich herumgesprochen – vor allem bis nach China, Japan und Indien. Denn ein Großteil der – gefühlten – Millionen von Touristen besteht aus Indern, Chinesen und Japanern. Am höchsten Punkt des Icefields Parkways, dem Icefield Center auf 2.000 m Höhe, kann man direkt vom Parkplatz aus bis zum Fuß des Athabasca Gletschers laufen - wenn man sich durch die Menschenmassen durchwühlt:

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Schilder mit Jahreszahlen (wie hier die 1992) weisen darauf hin, wie schnell sich der Gletscher in den letzten Jahren zurückgezogen hat.

Für die ganz mutigen Touristen, und vor allem die mit den dicken Geldbeuteln, gibt es seit Mai 2014 den Glacier Skywalk, auf dem man auf einer Glasplattform direkt über dem Canyon steht und von dort aus die Bergwelt bewundern kann.

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Uns ist dies alles zu touristisch und zu teuer. Wir verbringen den Nachmittag Kaffee trinkend und Brot backend an unserem gemütlichen Campingplatz auf 2.075 m Höhe. Gegen Abend, als alle anderen wieder in ihren Unterkünften sind, machen wir uns auf zu unserer Sonnenuntergangs-Wanderung auf den Wilcox Pass. Hier oben kann man eine herrliche Abendstimmung genießen – und einen Blick auf die Gletscherwelt ohne jede Menschenseele!

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So leer ist es, dass wir nicht einmal jemanden finden, der ein Foto von uns macht – hier auf den lustigen roten Stühlen kurz unter dem Gipfel (auf denen man sich während des Tages sicher NICHT hätte ausruhen können):

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Am nächsten Morgen lernen wir Armgard und Erich aus Schladming kennen – zwei sehr nette Österreicher, die ersten Österreicher während unserer ganzen Reise! Die beiden haben erst im Oktober ihre Reise in Argentinien gestartet und sind jetzt schon auf dem Rückweg von Alaska! Und da es so viel zu erzählen gibt, beschließen wir, eine gemeinsame Wanderung auf den Parker Ridge zu unternehmen. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick auf den 9 Kilometer langen Saskatchewan-Gletscher:

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Unsere Weiterreise nach Süden führt uns an einem der schönsten Seen vorbei, dem Peyto Lake:

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Um dieses Foto zu machen, müssen wir fast eine Viertelstunde warten, um in die erste Reihe der Fotografen zu gelangen! Ein unglaublicher Andrang von Japanern und Indern! Aber auch zahlreiche Deutsche und Franzosen. Schlimmer geht’s nimmer…

… dachten wir! Aber da gibt’s ja noch Lake Louise mit dem gleichnamigen See, unser nächstes Ziel!! Hier tummeln sich alle, die grade nicht am Peyto Lake sind…

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Um dem Touristenstrom zu entkommen, ziehen wir uns schnell unsere Bergstiefel an und wandern hinauf, über den Mirror Lake zum Agnes Lake, zwei tiefblauen und kristallklaren Bergseen. Hier oben sind wir fast alleine, nur ein paar Chipmonks warten auf uns – zur großen Freude von Thomas.

Dieser kleine Racker ballt schon seine kleinen Fäustchen und scheint zu sagen: “Bereit für den Boxkampf? – Wehe, du hast nix für mich zum Knabbern!!”

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Aber ein kleines Stückchen Müsliriegel versöhnt ihn sofort, und er genießt, ohne sich dabei stören zu lassen:

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Von hier oben erscheint der Lake Louise noch türkiser, und man hat einen traumhaften Blick auf den See, das Fairmont Château Hotel und das Schigebiet im Hintergrund:

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Südlich von Lake Louise werden die Rocky Mountains langsam niedriger, und auch die Gletscherwelt lassen wir hinter uns zurück.

Banff ist fast so etwas wie ein kanadisches St. Moritz und idealer Ausgangspunkt für weitere schöne Bergtouren. Als typischer Touristenort natürlich auch wieder überfüllt.

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Am schönen Lake Minnewanka verbringen wir 3 Tage und starten von hier aus zu verschiedenen Radtouren und Wanderungen.
Bereits am Campground wird man immer wieder aufgefordert, seine Vorräte auf jeden Fall bärensicher zu verstauen. Zur Abschreckung wird einem erst mal ein Cooler gezeigt, an dem sich ein Bär zu schaffen gemacht hat:

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Wie ernst das zu nehmen ist, erfahren wir gleich bei unserer ersten Wanderung: der Trail ist plötzlich abgesperrt, da die Grizzlybären mit ihren Jungen sich hier ungestört auf den Winter vorbereiten sollen. Man darf nur in Gruppen zu mehr als 4 Personen weitergehen, und noch dazu bewaffnet mit einem Bären-Pfeffer-Spray. Bei uns heißt es “zweimal nein” und wir müssen schweren Herzens unsere Wanderung abbrechen.

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Immer wieder kommen wir in plötzliche Verkehrsstaus. Am Anfang dachten wir noch “oh Gott, ein Unfall”, aber es handelt sich immer um fotografierwütige Touristen, die ein frei laufendes Tier sehen, eine Vollbremsung einlegen, die Warnblinkanlage einschalten und hektisch aus dem Auto springen. Wie hier bei ein paar harmlosen Bergziegen:

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Wäre dies ein Bär, dann würden wir heute noch warten, bis es weiter geht…

Den besten Blick auf Banff hat man vom Sulphur Mountain, auf den auch eine Gondel hinauffährt. Wir wandern hinauf, immer unter der Gondel entlang. Die Touristenströme treffen wir erst wieder oben am Gipfel.

Hier der Blick auf Banff und das Fairmont Banff Springs Hotel:

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Egal, was wir in Banff machen, woher wir kommen, der Weg zu unserem Campingplatz führt immer am Lake Minnewanka vorbei. Und  da es auch hier sommerlich warm ist, schwimmen wir jeden Abend noch ein paar Züge im herrlich erfrischenden Bergsee. Da kann man auf eine heiße Dusche gerne verzichten!

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Schweren Herzens verabschieden wir uns von den Nationalparks und setzen unsere Reise nach Calgary fort.

Seine internationale Bekanntheit erhielt Calgary vor allem durch die Winterolympiade 1988. Damit kamen auch die Touristen.
Calgary ist ein Paradies für Radfahrer. Auch wir erkunden die Stadt per Fahrrad, immer am Bow River entlang.

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Und hier entkommen wir grade noch einer Geschwindigkeitskontrolle der Polizei, die hier mit Radarpistolen auf Radlerjagd ist. Grade nochmal Glück gehabt! Ab 20 km/h gibt’s eine saftige Strafe!

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Uns gefällt vor allem Chinatown und die modernen Gebäude der Innenstadt:

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Auch hier entgehen wir knapp einer Strafe, da Thomas schon dabei war, an der Innenseite des Kunstwerks hinaufzuklettern.

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Die Security Leute sind schnell zur Stelle und drücken nochmal ein Auge zu…

Eigentlich wollen wir länger in Calgary bleiben und vor allem den Shopping- und Kneipendistrikt entlang der 17th Avenue erkunden. Aber leider werden wir von dem bereits seit Tagen immer wieder angekündigten schweren Gewitter überrascht und schaffen es grade noch trocken ins Auto. Nach acht Wochen in der Natur reicht aber auch ein halber Tag schon wieder, um sich an eine Großstadt zu gewöhnen.

Unsere Strecke von Jasper entlang des Icefields Parkway nach Calgary (1.089 km) – Gesamtkilometer bis jetzt: 42.592 km.

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Blog erstellt am 15.08.2014 in Calgary, Alberta (Kanada).

Mittwoch, 6. August 2014

29. Etappe: Whitehorse (Yukon) bis Jasper (Alberta) (22.07.–03.08.2014)


Dieser schöne Regenbogen am Yukon ist dann erst mal der Abschluss des durchwachsenen Wetters der letzten Tage:

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Ab jetzt wird es immer sonniger und wärmer. Deshalb legen wir auch auf dem Weg nach Whitehorse noch einen Stopp am Lake Laberge ein. Zumindest mit den Füßen können wir in den See eintauchen, ein kleiner Vorgeschmack auf den Sommer, der jetzt hoffentlich kommt. Direkt am See finden wir einen Stellplatz und genießen nicht nur einen schönen Abend, sondern auch eine ruhige Nacht mit leichtem Geplätscher der Wellen.

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Am nächsten Tag erreichen wir Whitehorse, wo wir unsere lange Agenda abarbeiten: das Auto nochmal dampfstrahlen (am Unterboden hängt noch immer zentimeterdick der Schlamm vom Polarmeer), Wäsche waschen, duschen, einkaufen, tanken, Blog hochladen etc. Dann geht’s auch schon weiter nach Südwesten, wo wir Skagway besuchen wollen. Skagway, ein Hafen an der Inside Passage, liegt an der Westküste und gehört zu Alaska. Schon die Fahrt dorthin ist sehr interessant.

Zuerst kommen wir nach Carcross, ursprünglich ein indianisches Jagdcamp mit dem Namen “Caribou Crossing”. Dummerweise gab es in British Columbia und Alaska Orte mit dem gleichen Namen, was zu Verwirrungen bei der Postzustellung führte. Daraufhin entschied man sich zur Namensänderung auf “Carcross”. Die Carcross Desert ist die angeblich kleinste Wüste der Welt. Mal wieder ein Superlativ!

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Auf dem Klondike Highway, immer an türkisblauen Seen wie hier dem Tutshi Lake entlang, geht es Richtung White Pass.

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In weiter Ferne, am White Pass, zeichnen sich schon wieder Schlechtwetterwolken ab. Dort an den Westhängen der Berge bilden sich Wolken aus der aufsteigenden feuchten Luft des Pazifik. Deshalb ist das Wetter in Skagway auch meistens schlecht.

Kurz vor Skagway passieren wir – mal wieder – die Grenze zu Alaska/USA:

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Skagway hat nur wenige Einwohner – zumindest von Freitag bis Montag. Denn Dienstag, Mittwoch, Donnerstag legen die großen Kreuzfahrtschiffe auf ihrer Alaska Tour hier an und der Ort wird regelrecht überrollt von Tausenden von Touristen. Hier das typische Skagway-Foto:

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Und hier noch ein Suchbild: wo ist der Bulli?

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Ähnlich voll muss es gewesen sein, als vor gut 100 Jahren während des Klondike Goldrush die Goldsucher hier anlandeten und ihren beschwerlichen Weg zu den Goldfeldern bei Dawson City antraten. Ein Großteil der Stadt sieht noch aus wie damals. Links und rechts der Hauptstraße reihen sich Originalgebäude aus der Zeit ab 1897, als Skagway die größte Stadt Alaskas war. Hier und im benachbarten Dyea landeten über 20.000 hoffnungsvolle Goldsucher.

Auf hölzernen Gehsteigen spaziert man an einer Anzahl alter Gebäude aus der Goldrausch-Zeit vorbei. Der Red Onion Saloon war früher ein Bordell und ist heute eine beliebte Kneipe:

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Der originalgetreu restaurierte Mascot Saloon war früher eine der übelsten Adressen der Stadt:

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Das Visitor Center befindet sich in der Arctic Brotherhood Hall, deren Fassade von einem Mitglied der Bruderschaft mit 20.000 am Strand aufgesammelten Treibholzstücken verziert wurde:

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Nach drei Stunden Stadtbummel haben wir genug vom Trubel und den Touristenströmen und ziehen uns ins benachbarte Dyea zurück, wo es außer ein paar Pfosten nichts mehr von der alten Stadt aus der Goldrauschzeit gibt. Nur einen wunderschönen Campground, der sogar kostenlos ist. Ganz in der Nähe unseres Autos sehen wir am nächsten Morgen zum ersten Mal einen Grizzlybären, der Lachse aus dem Fluss fischt:

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Da die Lachswanderung gerade erst beginnt, freuen wir uns, dass wir gleich schon Zeugen dieses Schauspiels sein können.

Auf unserem Rückweg über den White Pass Richtung Kanada wird auch gleich das Wetter wieder besser und wir genießen wieder die schöne Fahrt am Tutshi Lake entlang:

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Von hier beginnt die lange Reise durch die Einsamkeit auf dem Alaska Highway Richtung Dawson Creek in British Columbia. Nachdem es hier nicht viele Versorgungsmöglichkeiten gibt bzw. es ziemlich teuer ist, und Thomas immer Angst hat, dass wir verhungern, machen wir eine Bestandsaufnahme unserer Vorräte. Hobbyköche und Gourmets bitte einfach Augen zu und schnell weiter blättern:

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Nicht auf dem Bild zu sehen sind die 4 Kilo Haferflocken, 2 Kilo Reis und 2 Kilo Mehl sowie etliche Liter Trinkwasser! Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen! Wir sind gewappnet für die Einsamkeit und schöne Stellplätze in der Wildnis, wie hier am Little Atlin Lake:

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Hier genießen wir noch die letzten langen Tage und können bis 23:00 h bei strahlendem Sonnenschein im Auto lesen.
Am nächsten Morgen dann: “Thomas, warum hast du heute Nacht so gewackelt??” “Nein, Claudia, DU hast so gewackelt – ich dachte, ein Bär will das Auto umkippen!” Die Aufklärung erfolgt erst am Tag danach: ein Erdbeben in der Nähe von Juneau hat uns hier so richtig durchgeschüttelt! Da der St. Andreas Graben hier verläuft, kommt es nicht selten zu Erdstößen.

Hier auf dieser einsamen Etappe gibt es wenige offizielle Campingplätze, und so müssen wir öfter mal improvisieren. Manchmal sind es Kiesgruben, die beim Bau des Alaska Highway entstanden sind. Nicht unbedingt landschaftlich reizvoll, aber kostenlos, ruhig, und garantiert mückenfrei!

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Andere Plätze wiederum sind landschaftlich wunderschön, an Seen gelegen, aber leider gefällt es dort den Mücken auch sehr gut!

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Auch wenn der Alaska Highway DIE Straße ist, um Güter in den Norden zu transportieren, sind wir erstaunt, wie viel Wildlife hier unterwegs ist, zum Teil direkt auf der Fahrbahn. Bei diesem Schild denken wir, mal wieder eine Warnung, und dann kommt nichts.

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Doch schon ein paar Kilometer weiter trabt der erste Bison über den Highway:

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Wir haben noch nie einen Bison in freier Wildbahn gesehen und sind beeindruckt von der Größe und dem riesengroßen Kopf.

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Manchmal sieht man ganze Bisonherden am Straßenrand grasen:

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Dieser Tag ist ein Highlight in Sachen “Wildlife”. Wir hören irgendwann auf, die Bisons zu zählen, sogar Schwarzbären sehen wir immer wieder am Straßenrand und fahren einfach weiter, ohne Fotos zu machen. Auch Dallschafe und Elche grasen ganz gemütlich neben dem Highway:

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Inzwischen sind wir in den Northern Rocky Mountains angekommen, wo wir einen gemütlichen Nachmittag am Muncho Lake genießen:

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Von hier aus starten wir zu einer Radtour entlang des Sees auf dem Alaska Highway.Von wegen “Auf dem Highway ist die Hölle los”!! Autoverkehr gibt es hier erstaunlicherweise so gut wie gar nicht, dafür aber umso mehr Tiere auf der Straße, wie hier ein paar Dallschafe:

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Je weiter südlich wir kommen, desto schöner und heißer wird das Wetter. Es sieht so aus, als ob wir doch noch was vom Sommer abbekommen. Unser erster Badesee seit einem Jahr ist der Moberly Lake in British Columbia. Man fühlt sich hier wie zu Hause an einem See in den Alpen, aber ohne die Villen der Reichen. Hier sehen wir auch zum ersten Mal wieder einen Sonnenuntergang. Die Tage werden jetzt kürzer und wir trauern den langen hellen Nächten nach.

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Gleich am nächsten Tag noch ein Badesee, der Lake Lasalle, mit einem kostenlosen Campground:

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Von Prince George aus fahren wir weiter Richtung Osten und freuen uns auf den Mount Robson, kurz vor der Grenze zu Alberta.

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Hier waren wir bereits vor 17 Jahren auf unserer Kanada-Reise. Damals wie heute sind wir fast sprachlos, als sich hinter einer Kurve das Tal öffnet und sich der atemberaubende Blick auf den 3.954 m hohen Mount Robson auftut.

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Das Wetter ist wunderschön, allerdings sehr heiß. Bei über 30 Grad machen wir nur eine kleine Wanderung zu den Overlander Falls. Hier ist es durch den kühlen Fraser River und den Wasserfall noch am besten auszuhalten.

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Den Rest des Nachmittags verbringen wir “e-mailend” im Schatten auf der Aussichtsterrasse des Visitor Centers, immer mit herrlichem Blick auf den beeindruckenden Mount Robson:

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Die populärste Wanderung ist eine 5-Tagestour von 23 Kilometern zum Berg Lake, dem Basislager für die Besteigung des Mount Robson. Wir spendieren nur einen Tag und machen die Hälfte des Trails bis weit hinter den Kinney Lake, in dem sich die Berge im türkisfarbenen Wasser spiegeln.

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Auch heute ist es wieder sehr heiß (33 Grad), so dass die Flüsse vom Schmelzwasser der Gletscher randvoll sind. Oft müssen wir durch den Fluss waten, manchmal gibt es aber auch Brücken.

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Hier am Mount Robson verabschieden wir uns von British Columbia und machen uns auf den Weg nach Alberta, wo wir auf dem Icefields Parkway die Nationalparks von Kanadas Westen erkunden wollen.

 

Unsere Strecke von Whitehorse über den Alaska Highway nach Jasper (2.554 km) – Gesamtkilometer bis jetzt: 41.503 km.

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Blog erstellt am 03.08.2014 in Jasper, Alberta (Kanada).